Das System verstehen
Scrollen Sie durch die Geschichte und Struktur der Freien Wohlfahrtspflege — in 8 Schritten vom Grundprinzip bis zur politischen Ebene.
Was ist die Freie Wohlfahrtspflege?
Deutschland hat eines der größten nicht-staatlichen Sozialsysteme der Welt: die Freie Wohlfahrtspflege. Über 100.000 Einrichtungen, 2 Millionen Beschäftigte und 3 Millionen Ehrenamtliche bilden ein Netz, das Millionen Menschen täglich versorgt – von der Kita bis zum Pflegeheim, vom Rettungsdienst bis zur Schuldnerberatung.
Im Glossar: Freie WohlfahrtspflegeDas Subsidiaritätsprinzip
Das Fundament des Systems ist das Subsidiaritätsprinzip: Die kleinste geeignete Einheit handelt zuerst. Familie vor Gemeinde, Verein vor Staat, freier Träger vor öffentlichem Träger. Gesetzlich verankert bedeutet das: Wenn ein Wohlfahrtsverband eine soziale Leistung erbringen kann, soll der Staat davon absehen, sie selbst anzubieten.
Im Glossar: SubsidiaritätsprinzipSechs Spitzenverbände
Sechs Dachverbände bilden die Freie Wohlfahrtspflege – gegründet zwischen 1848 und 1924, jeder mit eigener Geschichte und Weltanschauung: Arbeiterwohlfahrt (sozialdemokratisch), Caritas (katholisch), Diakonie (evangelisch), Der Paritätische (pluralistisch), Deutsches Rotes Kreuz (humanitär) und die ZWST (jüdisch).
Alle Verbände im VergleichDie BAGFW: Ein Dach für alle
In der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) arbeiten alle sechs Verbände zusammen. Die Präsidentschaft rotiert alle zwei Jahre. Gemeinsam vertreten sie die Interessen von über 90.000 Einrichtungen gegenüber Bundesregierung, Bundestag und EU.
Im Glossar: BAGFWVom Ortsverein bis nach Brüssel
Jeder Verband ist auf vier Ebenen organisiert: lokal (Ortsvereine, Kirchengemeinden), regional (Kreisverbände), auf Landesebene (Landesverbände, Diakonische Werke, DiCVs) und auf Bundesebene (Spitzenverbände in der BAGFW). In der EU wirken sie über den EWSA und Dachverbände wie Caritas Europa und Eurodiaconia.
Zum interaktiven OrganigrammKirche und Sozialstaat
Caritas und Diakonie beschäftigen zusammen rund 60 % aller Mitarbeitenden der Freien Wohlfahrtspflege. Als kirchliche Organisationen unterliegen sie eigenem Arbeitsrecht: Der 'Dritte Weg' ersetzt Tarifverhandlungen und Streikrecht durch paritätische Kommissionen. Die Reform der Grundordnung 2022 öffnete die katholische Kirche deutlich für Mitarbeitende aller Hintergründe.
Im Glossar: Dritter WegWer bezahlt das alles?
Über 90 % der Mittel der Freien Wohlfahrtspflege stammen aus öffentlichen Quellen – Sozialversicherungen, Kommunen, Landes- und Bundesmittel. Die Verbände verhandeln Pflegesätze und Entgelte mit den Kostenträgern. Seit dem SGB XI (1994) konkurrieren sie zunehmend mit privatgewerblichen Anbietern. Der Bundeshaushalt 2026 sieht allein im Einzelplan 11 (Arbeit und Soziales) über 197 Milliarden Euro vor.
Finanzierung im DetailPolitisches Schwergewicht
Die BAGFW ist im Lobbyregister des Bundestages eingetragen und führt seit 2005 ein regelmäßiges Sozialmonitoring mit der Bundesregierung. In Jugendhilfeausschüssen haben die Verbände gesetzlich verankerte Mitspracherechte. Auf EU-Ebene ist die BAGFW Mitglied im EWSA und in der GECES-Expertengruppe der EU-Kommission. Im März 2026 forderten die Verbände gemeinsam 3 Milliarden Euro für digitale Barrierefreiheit und 10 Milliarden für Klimaanpassung sozialer Einrichtungen aus dem Sondervermögen Infrastruktur.
Stakeholder-Netzwerk erkundenWas ist die Freie Wohlfahrtspflege?
Deutschland hat eines der größten nicht-staatlichen Sozialsysteme der Welt: die Freie Wohlfahrtspflege. Über 100.000 Einrichtungen, 2 Millionen Beschäftigte und 3 Millionen Ehrenamtliche bilden ein Netz, das Millionen Menschen täglich versorgt – von der Kita bis zum Pflegeheim, vom Rettungsdienst bis zur Schuldnerberatung.
Im Glossar: Freie WohlfahrtspflegeDas Subsidiaritätsprinzip
Das Fundament des Systems ist das Subsidiaritätsprinzip: Die kleinste geeignete Einheit handelt zuerst. Familie vor Gemeinde, Verein vor Staat, freier Träger vor öffentlichem Träger. Gesetzlich verankert bedeutet das: Wenn ein Wohlfahrtsverband eine soziale Leistung erbringen kann, soll der Staat davon absehen, sie selbst anzubieten.
Im Glossar: SubsidiaritätsprinzipSechs Spitzenverbände
Sechs Dachverbände bilden die Freie Wohlfahrtspflege – gegründet zwischen 1848 und 1924, jeder mit eigener Geschichte und Weltanschauung: Arbeiterwohlfahrt (sozialdemokratisch), Caritas (katholisch), Diakonie (evangelisch), Der Paritätische (pluralistisch), Deutsches Rotes Kreuz (humanitär) und die ZWST (jüdisch).
Alle Verbände im VergleichDie BAGFW: Ein Dach für alle
In der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) arbeiten alle sechs Verbände zusammen. Die Präsidentschaft rotiert alle zwei Jahre. Gemeinsam vertreten sie die Interessen von über 90.000 Einrichtungen gegenüber Bundesregierung, Bundestag und EU.
Im Glossar: BAGFWVom Ortsverein bis nach Brüssel
Jeder Verband ist auf vier Ebenen organisiert: lokal (Ortsvereine, Kirchengemeinden), regional (Kreisverbände), auf Landesebene (Landesverbände, Diakonische Werke, DiCVs) und auf Bundesebene (Spitzenverbände in der BAGFW). In der EU wirken sie über den EWSA und Dachverbände wie Caritas Europa und Eurodiaconia.
Zum interaktiven OrganigrammKirche und Sozialstaat
Caritas und Diakonie beschäftigen zusammen rund 60 % aller Mitarbeitenden der Freien Wohlfahrtspflege. Als kirchliche Organisationen unterliegen sie eigenem Arbeitsrecht: Der 'Dritte Weg' ersetzt Tarifverhandlungen und Streikrecht durch paritätische Kommissionen. Die Reform der Grundordnung 2022 öffnete die katholische Kirche deutlich für Mitarbeitende aller Hintergründe.
Im Glossar: Dritter WegWer bezahlt das alles?
Über 90 % der Mittel der Freien Wohlfahrtspflege stammen aus öffentlichen Quellen – Sozialversicherungen, Kommunen, Landes- und Bundesmittel. Die Verbände verhandeln Pflegesätze und Entgelte mit den Kostenträgern. Seit dem SGB XI (1994) konkurrieren sie zunehmend mit privatgewerblichen Anbietern. Der Bundeshaushalt 2026 sieht allein im Einzelplan 11 (Arbeit und Soziales) über 197 Milliarden Euro vor.
Finanzierung im DetailPolitisches Schwergewicht
Die BAGFW ist im Lobbyregister des Bundestages eingetragen und führt seit 2005 ein regelmäßiges Sozialmonitoring mit der Bundesregierung. In Jugendhilfeausschüssen haben die Verbände gesetzlich verankerte Mitspracherechte. Auf EU-Ebene ist die BAGFW Mitglied im EWSA und in der GECES-Expertengruppe der EU-Kommission. Im März 2026 forderten die Verbände gemeinsam 3 Milliarden Euro für digitale Barrierefreiheit und 10 Milliarden für Klimaanpassung sozialer Einrichtungen aus dem Sondervermögen Infrastruktur.
Stakeholder-Netzwerk erkundenZeitstrahl der Freien Wohlfahrtspflege
Von 1848 bis heute — die wichtigsten Meilensteine. Filterbar nach Verband.
Gründung Innere Mission
Johann Hinrich Wichern ruft auf dem Kirchentag in Wittenberg die Innere Mission ins Leben — Vorläufer der heutigen Diakonie.
Gründung Deutscher Caritasverband
Lorenz Werthmann gründet den Caritasverband in Köln als Zusammenschluss katholischer Wohlfahrtseinrichtungen.
Gründung ZWST
Die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland wird in Berlin gegründet, um jüdische Sozialarbeit zu koordinieren.
Gründung AWO
Marie Juchacz gründet die Arbeiterwohlfahrt als sozialdemokratische Antwort auf die konfessionelle Dominanz in der Wohlfahrtspflege.
Neugründung DRK
Das Deutsche Rote Kreuz wird als eingetragener Verein neu gegründet und vereint die verschiedenen Rot-Kreuz-Landesvereine.
Gründung des Paritätischen
Gründung als "Vereinigung der freien gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands" — Dachverband für weltanschaulich ungebundene Träger.
Gründung der Spitzenverbände-Vereinigung
Die sechs Spitzenverbände schließen sich zur gemeinsamen Interessenvertretung zusammen — Vorläufer der heutigen BAGFW.
NS-Gleichschaltung
Die Nationalsozialisten schalten die Wohlfahrtsverbände gleich. Die AWO wird verboten, die ZWST aufgelöst. NS-Volkswohlfahrt übernimmt zentrale Funktionen.
Wiedergründung ZWST
Die ZWST wird in Frankfurt am Main wiedergegründet und nimmt die Arbeit für die jüdischen Gemeinden in Deutschland wieder auf.
Bundessozialhilfegesetz (BSHG)
Das BSHG verankert den Vorrang freier Träger gesetzlich und schafft die Grundlage für das heutige System der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und freien Trägern.
SGB XI — Pflegeversicherung
Einführung der Pflegeversicherung. Erstmals werden private Anbieter den freien Trägern gleichgestellt — Beginn der Marktöffnung in der Sozialwirtschaft.
SGB II (Hartz IV) & Sozialmonitoring
Einführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Die BAGFW startet das "Sozialmonitoring" mit der Bundesregierung zur systematischen Beobachtung sozialer Entwicklungen.
Reform Grundordnung katholische Kirche
Die Deutsche Bischofskonferenz reformiert die Grundordnung des kirchlichen Dienstes. Sexuelle Orientierung und Wiederheirat sind kein Kündigungsgrund mehr bei der Caritas.
Führungswechsel bei drei Verbänden
Rüdiger Schuch wird Diakonie-Präsident, Achim Meyer auf der Heyde übernimmt die BAGFW-Präsidentschaft, Hermann Gröhe wird DRK-Präsident. Generationswechsel in der Verbandsführung.
Bundestagswahl & Koalition Merz
Nach der Bundestagswahl formiert sich eine neue Koalition unter Friedrich Merz. Die Sozialpolitik steht vor Weichenstellungen bei Pflege, Migration und Digitalisierung.
Bürgergeld → Grundsicherung
Die Reform des Bürgergelds zur Grundsicherung tritt in Kraft (März 2026). Verschärfte Sanktionen und neue Mitwirkungspflichten — die Verbände fordern Nachbesserung.
ConSozial 2026 "kreative Pause"
Die größte Kongressmesse der Sozialwirtschaft setzt 2026 aus. Die Veranstalter nutzen die Pause für eine strategische Neuausrichtung.
Kirche und Wohlfahrt
Drei Weltanschauungsgemeinschaften prägen die konfessionellen Verbände — mit jeweils eigener Hierarchie und Anbindung an die Wohlfahrtspflege.
- GrO (Grundordnung des kirchlichen Dienstes, reformiert 2022)
- AVR (bundesweit einheitliches Tarifsystem)
- MAVO statt Betriebsverfassungsgesetz
- Dritter Weg — kein Streikrecht
- Bistumsgrenzen ≠ Ländergrenzen
Strukturelle Spannungsfelder
Das System der Freien Wohlfahrtspflege ist geprägt von Widersprüchen, die politisch ungelöst sind.